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Indikation zur stationären medizinischen Rehabilitation bei Hausarztpatienten mit chronischen psychischen Erkrankungen und Teilhabebeeinträchtigungen

Muschalla, Beate ORCID; Linden, Michael GND

Hintergrund: Psychische Erkrankungen gehen vielfach mit Beeinträchtigungen in der Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben einher. Es ergibt sich daraus häufig die Indikation für eine stationäre Rehabilitation. Derartige Patienten werden langzeitig vor allem von Hausärzten behandelt, die auch wichtige Vermittler bei der Einleitung einer Rehabilitationsmaßnahme sind. Allerdings weisen die Rentenversicherer darauf hin, dass in vielen Fällen von Erwerbsminderungsrenten vorab keine Rehabilitationsmaßnahme durchgeführt wurde. Es stellt sich die Frage, bei welchen Hausarztpatienten eine Rehabilitationsmaßnahme durchgeführt wird oder durchgeführt werden sollte. Methode: Eine prototypisch repräsentative Stichprobe von 307 Patienten aus 40 Hausarztpraxen wurde von einem psychosomatischen Konsiliararzt untersucht, einschließlich (Reha-)Behandlungsvorgeschichte, Krankheitsstatus und Teilhabe. Es wurde geprüft, welche Behandlungsoptionen vorliegen und ob aktuell eine Rehaindikation vorliegt. Bei der Hälfte der Patienten wurden die Hausärzte über die Konsilempfehlung informiert und ein halbes Jahr später nachgefragt, ob diese umgesetzt wurden. Ergebnisse: Bei 64% der Patienten mit chronischen psychischen Erkrankungen war bislang keine psychosomatische Reha erfolgt und auch keine Indikation gegeben. Bei 5.2% wurde bereits einmal eine stationäre psychosomatische Rehabilitation durchgeführt, und jetzt nicht nochmals eine Rehaindikation gestellt. Bei 27% wurde bislang noch keine Rehamaßnahme durchgeführt, wurde jetzt aber konsiliarärztlich erstmals empfohlen. Bei 3.6% war schon einmal eine psychosomatische Reha durchgeführt worden und dennoch vom Konsiliararzt eine Wiederholungsreha als sinnvoll erachtet. Patienten, die bereits einmal in Reha waren sind kränker und haben mehr Fähigkeits- und Teilhabeprobleme. Patienten, bei denen aus Sicht des Konsilarztes erstmalig eine psychosomatische Rehabilitation erwogen werden sollte, haben primär arbeitsbezogene Probleme und nur zu einem geringeren Ausmaß aktuelle psychische und somatische Beeinträchtigungen. Von 35 Patienten, bei denen der Konsiliararzt die Neubeantragung einer psychosomatischen Rehabilitation empfahl, wurde bei 13 im Verlauf der folgenden sechs Monate ein Antrag gestellt. Schlussfolgerung: Da Hausärzte eine zentrale Position bei der Betreuung von Langzeitkranken mit Teilhabebeeinträchtigungen haben, sollten Maßnahmen zur Förderung einer MBOR-Orientierung auch bei Hausärzten erfolgen. Dazu gehört auch eine verbesserte und erleichterte Kooperation bei der Beantragung von Rehabilitationsmaßnahmen inklusive einer transparenten Begutachtung.

Background: Mental disorders often result in social and occupational participation restrictions, which may be an indication for an inpatient psychosomatic rehabilitation treatment. These patients are usually treated by general practitioners, who function as an important gate keeper in the pathway to rehabilitation treatment. The question is which patients receive an inpatient treatment, and which do not. Method: A prototypically representative sample of 307 patients with chronic mental disorders from 40 general practitioners were examined by a psychosomatic consultant. The investigation included the medical history, treatment status, illness status, capacity status and participa-tion impairment. The psychosomatic consultant gave a recommendation whether an inpatient rehabilitation was indicated or not. Results: 64% of the patients with chronic mental disorder had not received an inpatient rehabilitation in the past five years and there was no present indication. In 5.2% of cases an inpatient rehabilitation had been done before, but there was no indication for a renewal. In 27% there was no rehabilitation in the past five years but now seen indicated. In 3.6% there was an inpatient rehabilitation in the past and a renewed indication now. Patients who had already been in inpatient rehabilitation in the past five years were more severely ill and had more severe participation problems. Patients with present indication for rehabilitation had acute work-related problems. Capacity and participation impairment was an important factor to discriminate between patients with and without a present indication for an inpatient rehabilitation. In 13 out of 35 patients who got a recommendation for a new psychosomatic rehabilitation, this rehabilitation was initiated within six months after the consult. Conclusion: General practitioners play a central role in long-term treatment of mental disorders. Rehabilitation orientation, i.e. a participation-oriented treatment perspective, should be encouraged in the primary care setting.

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