Bauliche Infektionspräventionsstrategie - Architekturwissenschaftliche Analyse, Bewertung und Lösungsstrategie zur Kontrolle von Infektionsübertragungswegen in Gebäudesystemen

Holzhausen, Jan

Bis zu einem Drittel aller Todesfälle sind weltweit auf Infektionen zurückzuführen (WHO 2015). Erreger können sich aufgrund der zunehmenden Globalisierung und der damit einhergehenden Mobilität von Menschen, Nutztieren und Gütern auf ganz neuen Ausbreitungswegen übertragen. Das vermehrte Auftreten multiresistenter Erreger stellt eine besondere Herausforderung dar. Um auf die infektiologischen Herausforderungen der Zukunft adäquat reagieren zu können, muss eine fächerübergreifende Zusammenarbeit im Sinne des „One-Health-Konzeptes“ (King 2008; Wieler 2014; King 2008) erfolgen. Ziel der vorgelegten Arbeit ist daher die Wechselwirkung von Infektionsketten und der gebauten Umwelt zu analysieren, zu bewerten und eine ganzheitliche Strategie zur baulichen Infektionsprävention abzuleiten. Zunächst werden die Infektionsübertragungswege auf Grundlage der Erkenntnisse der Epidemiologie dargestellt und relevante Faktoren im Zusammenspiel von Infektionsausbreitung und baulichen Aspekten analysiert. Die dabei identifizierten Baukomponenten werden anschließend auf ihre Möglichkeiten der baulichen Infektionsprävention beschrieben und bewertet sowie Optimierungspotential der bereits etablierten Baumethoden aufgezeigt. Um neue interdisziplinäre Ansätze zur Lösung des komplexen Themenfeldes der Infektionsunterbrechung zu identifizieren, werden Experten aus unterschiedlichsten Wissenschaftsdisziplinen befragt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse zu Themen wie z. B. dem Raumnutzungsverhalten, der Gruppendynamik, der Verhaltensökonomie oder kultureller Unterschiede in der Wahrnehmung werden über eine vertiefende Literaturrecherche aufgearbeitet und für die Entwicklung einer transsektoralen baulichen Infektionspräventionsstrategie zunutze gemacht. Zur Kontrolle der Infektionskette wird ein transsektoraler, aus mehreren Komponenten bestehender und skalenübergreifender Ansatz gewählt, die kombinierte Multi-Skalen-Barrieren-Strategie. Die bautechnisch-konstruktive Weiterentwicklung und die baufunktional-prozessuale Optimierung ausgesuchter Baukomponenten mithilfe der Entwicklung neuer interdisziplinärer Methoden stellen die Grundlage der Strategie dar. Die vorgelegte Arbeit stellt mit ihrer Strategie eine strukturierte Grundlage für die Entwicklung einer Vielzahl von neuen Forschungsstudien durch die Kombination der weiter zu optimierenden Baukomponenten mit den neuentwickelten transsektoralen Methoden für die bauliche Infektionsprävention zur Verfügung.

Up to one third of all deaths worldwide can be attributed to infections. Due to the increasing globalization and the resulting mobility of people, livestock and goods, pathogens can be transmitted in completely new ways. The increased incidence of multi-resistant pathogens presents a special challenge. In order to be able to respond adequately to the infectious challenges of the future, cross-disciplinary cooperation in the sense of the "one-health concept" must take place. The aim of the presented work is therefore to analyse and evaluate the interaction of infection chains and the built environment and to develop a holistic strategy for structural infection prevention. Firstly, the transmission of infections is presented on the basis of epidemiological findings and relevant factors are analysed in the interaction of infection propagation and structural aspects. The identified building components will then be described and evaluated in terms of their possibilities for structural infection prevention and the optimisation potential of the already established construction methods will be demonstrated. In order to identify new inter-disciplinary approaches to solve the complex topic of infection interruption, experts from a wide variety of scientific disciplines are interviewed. The findings on topics such as spatial use behaviour, group dynamics, behavioural economics or cultural differences in perception, which are gained from these studies, will be investigated in more depth and used to develop a trans-sectoral structural infection prevention strategy. To control the infection chain, a trans-sectoral, multi-component and multi-scale-overlapping approach is chosen, the combined Multi-Scale-Barrier-Strategy. The strategy is based on the further development of technical and construction engineering and the functional and process-related optimization of selected building components by means of the development of new trans-sectoral methods. With its strategy, the presented work provides a structured basis for the development of a large number of new research studies by combining the components to be further optimized with the newly developed trans-sectoral methods for structural infection prevention.

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Holzhausen, Jan: Bauliche Infektionspräventionsstrategie - Architekturwissenschaftliche Analyse, Bewertung und Lösungsstrategie zur Kontrolle von Infektionsübertragungswegen in Gebäudesystemen. 2019.

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