Selbstbewertende Emotionen und Delinquenz - Scham, Schuld, Peinlichkeit und Stolz bei Straftätern

Ewald, Elisa

Selbstbewertenden Emotionen wird eine Schlüsselrolle bei der Vermeidung delinquenter Verhaltensweisen zugeschrieben. Infolge werden sie als potenzielle Wirkungsmechanismen in der Straftäterbehandlung diskutiert. Bislang fehlen allerdings empirische Befunde, die die Relevanz dieser Emotionen im Zusammenhang mit Delinquenz differenziert betrachten. Vor diesem Hintergrund erfasst das vorliegende Projekt mittels quantitativer und qualitativer Interviews Scham, Schuld, Peinlichkeit und Stolz, deren Ausprägungs- und Zusammenhangsmuster und Einfluss auf abweichendes Denken und Handeln. Als Stichproben wurden N = 160 inhaftierte und haftentlassene Personen mit N = 109 nicht-straffälligen Personen verglichen. Anhand der Ergebnisse lassen sich Scham, Schuld, Peinlichkeit und Stolz als distinkte Emotionen in beiden Stichproben abbilden. Insgesamt berichten straffällige Personen über stärkere Neigungen zu Scham und Peinlichkeit sowie geringere Neigungen zu Stolz. Gleichzeitig lassen sich unter Berücksichtigung emotionaler Verarbeitungs- und Erlebensmuster Scham, Schuld, Peinlichkeit als Risiko- und Stolz als Schutzfaktor im Hinblick auf aggressives Verhalten beschreiben. Die Ergebnisse werden bezüglich ihrer Folgen für die weitere Forschung und Straftäterbehandlung diskutiert.

Moral emotions and their key role for the inhibition of antisocial behavior are often discussed in the framework of offender treatment and rehabilitation. However, there is a lack of empirical studies which focus the interplay between moral emotions within delinquents. The present project tries to fill this gap in analyzing shame, guilt, pride, embarrassment and their interdependency, as well as their relationship with other constructs and aggressive behavior. The samples consist of N = 160 incarcerated offenders and released prisoners and N = 109 non-delinquents. The two samples were interviewed using standardized measures and qualitative interviews. Differential correlation patterns facilitate the discrimination of positive and negative moral emotions in both groups, as well as functional and dysfunctional behavioral consequences. Delinquents show more shame and embarrassment and less pride than non-delinquents. Furthermore, considering specific patterns of emotional processing shame, guilt and embarrassment can be described as risk- and pride as protective factors for aggression. The results will be discussed with regard to their implications for offender treatment.

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Ewald, Elisa: Selbstbewertende Emotionen und Delinquenz - Scham, Schuld, Peinlichkeit und Stolz bei Straftätern. 2018.

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