Die spontane Flora der Dachgärten des Wiener Allgemeinen Krankenhauses

Burgstaller, Hildegard; Hübl, Erich; Zechmeister, Harald

Das Allgemeine Krankenhaus in Wien (AKH) hat mehrere bepflanzte Dachterrassen. Die Substrate sind Ziegelsplit, Blähschiefer und Grobkies, der nicht bepflanzt wird. Angepflanzt sind verschiedene Sedum-Arten und –Sorten, Festuca ovina agg. und vermutlich auch Allium schoenoprasum. Unsere Untersuchungen beziehen sich auf die Spontan-flora, die von Annuellen bis zu Bäumen reicht. Neben dem Substrat beeinflussen Exposition, Abschirmung durch Gebäudeteile und ausströmende Warmluft aus Entlüftungsanlagen das Pflanzenwachstum. Einen großen Anteil an der Dachflora haben einjährige bis zu kurzlebigen ausdauernden Arten. Annuelle sind u. a. Anagallis arvensis, Bromus tectorum, Cerastium pumilum, Chaenorhinum minus, Chenopodium album, Crepis tectorum, Galinsoga parviflora, Setaria viridis, Solanum nigrum, Sonchus oleraceus, Vicia hirsuta und Viola arvensis. Ein- bis Mehrjährige sind: Arenaria serpyllifolia, Acinos arvensis, Conyza canadensis, Erodium cicutarium und Lactuca serriola. Häufige Zweijährige sind: Cirsium vulgare, Daucus carota, Echium vulgare, Erigeron annuus und Melilotus officinalis. Kurzlebige Arten, die bis über zwei Vegetationsperioden ausdauern können, sind: Diplotaxis tenuifolia, Erigeron acris, Medicago lupulina, Picris hieracioides, Sisymbrium loeselii und Tragopogon dubius. Wichtige ausdauernde Arten: Achillea millefolium agg., Artemisia vulgaris, Calamagrostis epigeios, Elymus repens, Hieracium pilosella, Hypericum perforatum, Leontodon hispidus, Plantago lanceolata, P. major, Scabiosa ochroleuca und Taraxacum officinale agg.. Holzpflanzen von Kleinsträuchern bis zu Bäumen keimen in großer Zahl und werden, soweit es sich um hochwüch-sige Sträucher oder Bäume handelt, immer wieder zurückgeschnitten oder entfernt. Die häufigsten Holzpflanzen sind: Acer pseudoplatanus, Ailanthus altissima, Betula pendula, Buddleja davidii, Caryopteris x clandonensis, Celtis occidentalis, Clematis vitalba, Juglans regia, Populus alba, P.nigra, Sambucus nigra, Salix caprea und Solanum dulcamara. Höhen über zwei Meter erreichten je ein Exemplar von Cotoneaster dielsianus und Morus alba. An einem feuchten Sonderstandort in schattiger Lage entwickelte sich ein Bestand von Eupatorium cannabinum. In der Nähe von Abzugsrinnen wächst Allium angulosum, eine seltene Art von Feuchtwiesen. An einer besonders warmen und feuchten Stelle bildet der Sumpffarn Thelipteris palustris einen kleinen Rasen. Obwohl Feuchtigkeit und Wärme auch im Winter erhalten bleiben, zieht der Farn im Herbst ein, während daneben wachsende Buddleja davidii und auch Salix caprea grün blieben. Die Moosflora ist aus typischen Trockenrasenarten, Arten ein- bis zweijähriger Brachen sowie vereinzelt Ubiquisten zusammengesetzt. Die 34 gefundenen Moosarten gehören ausschließlich der Klasse der Bryopsida (Laubmoose) an. Die Artengarnituren stehen wie die Gefäßpflanzen in starker Abhängigkeit vom pH-Wert des Substrates als auch der Langlebigkleit der Fläche und der damit verbundenen Humusbildung. Als Raritäten können die Moosarten Acaulon muticum, Aloina rigida und Weissia longifolia betrachtet werden. Das Vorkommen von Rhynchostegium megapolitanum unterstreicht die Expansion dieser wärmeliebenden Art.

The hospital „Allgemeines Krankenhaus“ (AKH) in Vienna has roof-gardens. H. BURGSTALLER and E. HÜBL investigated the spontaneous flora (flora of weeds) since 2010 (list of species see Tab.: 1). The mosses were recorded by H. ZECHMEISTER (2013). Especial sites come into being by the exit of water or by ventilating systems, where exhaust warm and humid air influence plant growth. This helps plants needing moisture to accrue. The layout of the roof-gardens was accomplished after the construction of the building in 1984. Different species of Sedum were planted, and lawns of Festuca ovina agg. were sawn. Documents about the laying-out of the roof-gardens do not exist. Up to 2009 there was little activity regarding maintenance. Annual species are most frequent, followed by perennial species and biennial species. But the biennial species make up for the largest portion of species present in all the gardens. Since 2011 the roof-gardens are being renewed. The new substratum is planted with species of Sedum. Compared with the flora of gravel-roofs the spontaneous flora of the roof-gardens is richer especially in neophytes. 34 mosses (Bryophyta) were found on the investigated roof-tops, all of these having an emphasis on dry grasslands in natural habitats, some have a focus on young fallow lands as well as ubiquitous urban habitats. The moss flora depends strongly on the pH of the soil as well as the age of the substratum. Highlights within the moss flora were Acaulon muticum, Aloina rigida and Weissia longifolia. The occurrence of Rynchostegium megapolitanum emphasizes the spreading of this species in Europe.

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Burgstaller, Hildegard / Hübl, Erich / Zechmeister, Harald: Die spontane Flora der Dachgärten des Wiener Allgemeinen Krankenhauses. Braunschweig 2015.

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