Experimentalisierung des Wunderbaren und internationale Kommunikationen: Der Fall Curare

Micheletti, Silvia

Diese Arbeit analysiert die Geschichte des Pfeilgifts Curare und der Curare-Forschung im langen 18. Jahrhundert. Im Jahr 1745 wurden die ersten Experimenten mit Curare in Europa durchgeführt, als der französische Wissenschaftler Charles Marie de La Condamine (1701-1774) einige Giftproben aus Südamerika nach Leiden brachte. In den folgenden Jahrzehnten nahm das Interesse an dem südamerikanischen Pfeilgift deutlich zu, trotzdem bestand die Hauptschwierigkeit der Wissenschaftler darin, überhaupt erst Curare zu gelangen. Für über ein halbes Jahrhundert wurde hauptsächlich mit La Condamines Curare experimentiert, vor allem im Kreis der Royal Society, und einige Wissenschaftler mussten deswegen mühsame Reisen unternehmen. Aus diesem Grund wird die Geschichte der Curare-Foschung im 18. und frühen 19. Jahrhundert auch zur Geschichte der Dynamik einer Experimentalpraxis im Rahmen eines internationalen Gedankenaustausches. Die Darstellung des durch das Curare entstandenen Kommunikationsnetzes wird dazu eine weitere Perspektive auf die Wissenschaftsentwicklung dieser Zeitspanne ermöglichen. Als Schlusspunkt dieser Untersuchung wurde die Publikation des Traité des poisons (die zweite Auflage von 1818) von Mateu Bonaventura Orfilas (1787-1853) gewählt, in welcher das Curare zumindest eine provisorische Einordnung in ein System der Giften erfuhr. Neben der Untersuchung von Experimentaltechniken und internationalen Kommunikationen wird diese Arbeit auch die Beschreibung der Be- und Verwunderung der Forscher im Zusammenhang mit dem Curare betrachten. Anhand der Werken u.a. von Stephen Greenblatt, Lorraine Daston, Mary Campbell und Marie Luie Pratt wird eine Untersuchung dieses Gefühls des Wunders, seine Ablehnung als „unwissenschaftlich“ in der Zeit der Aufklärung und seine ständige Rückkehr in immer neue Formen erfolgen.

This dissertation analyses the history of the South American arrow poison curare and its experimental research in the long 18th century. The first experiments with curare in Europe were carried out in 1745, when the French scientist Charles Marie de La Condamine (1701-1744) brought some samples of this poison from Guyana to Leiden in the Netherlands. In the following decades, European scientists became more interested in the South American arrow poison; nevertheless, the main obstacle for their researches was the rarity of curare samples in Europe. For over fifty years experiments were conducted using La Condamine’s poison or some of the samples which were brought over by his travel companions. The greatest part of experimental research on curare revolved around the Royal Society of London: therefore, some scientists had to travel long distances to gain access to this substance. Consequently, the history of the experimental research of curare during the 18th century is also the history of international exchanges of information and materials. The reconstruction of these dynamical scientific relationships offers a deeper view into the development of 18th century toxicology. Beside the investigation of experimental practices and international communications, this dissertation examines the sense of wonder and the feeling of wonderment related to the analysis of curare as an exotic poison, as well as the myths which surrounded it. On the basis of the works of Stephen Greenblatt, Lorraine Daston, Mary Campbell and Marie Luise Pratt (among others) an investigation of this feeling, its denial during the Enlightenment and its recurrent return has been carried out.

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Micheletti, Silvia: Experimentalisierung des Wunderbaren und internationale Kommunikationen: Der Fall Curare. 2014.

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