Energie, Umwelt, Klima

Kärner, Hermann

Der Energiebedarf der Menschheit zeigt seit etwa 100 Jahren einen exponentiellen Anstieg, der durch die zunehmende Industrialisierung, insbesondere aber durch den ungebremsten Anstieg der Weltbevölkerung verursacht ist: betrug der Weltenergieverbrauch im Jahre 1900 weniger als 1 Mrd. t SKE bei einer Weltbevölkerung von etwa 1 Mrd., so liegt er heute bei 13 Mrd. t SKE, und es leben fast 6 Mrd. Menschen auf der Erde (SKE = Steinkohle-Einheit; 1 t SKE bedeutet den Energieinhalt einer Tonne Steinkohle; alle Primärenergiequellen werden aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit im folgenden immer auf diese Energieeinheit umgerechnet). Weltkriege, Wirtschafts- und Ölkrisen konnten diese Entwicklung nur kurzzeitig verzögern, aber nicht grundsätzlich ändern. Angesichts einer unvermindert steigenden Weltbevölkerung und einer zunehmenden, energieintensiven Industrialisierung der Schwellen- und Entwicklungsländer wird der Weltenergieverbrauch weiter steigen. Da der durchschnittliche weltweite Pro-Kopf-Jahresverbrauch seit mehreren Jahrzehnten bei 2 t SKE liegt, das sind umgerechnet 50 kWh je Person und Tag, läßt sich für die nähere Zukunft der Energiebedarf unmittelbar aus der Bevölkerungsentwicklung ableiten. Neben dem Energieverbrauch von 50 kWh pro Person und Tag nimmt sich der tägliche Nahrungsbedarf von etwa 3 kWh je Person und Tag eher bescheiden aus, und es wird deutlich, daß die Bereitstellung von genügend bezahlbarer Energie eine für die Zukunft der Menschheit entscheidende Herausforderung werden wird. Heute und in der voraussehbaren Zukunft werden 90% des Weltenergiebedarfs aus fossilen Primärenergien gedeckt: Erdöl und Erdgas sind mit zusammen 60% beteiligt, während mit Kohle 30% gedeckt werden. An nichtfossilen Primärenergien sind nur die Kernenergie und die Wasserkraft zu erwähnen, andere regenerative Energieformen spielen keine Rolle und können, wie gezeigt werden wird, auch in nächster Zukunft nur marginale Beiträge leisten. Das Dilemma, dem sich die Menschheit gegenüber sieht, wird durch die mit dem fossilen Energieverbrauch verbundene Emission von Schadstoffen verursacht, die im wesentlichen in der Atmosphäre deponiert werden. Während Staub, Schwefel, Stickoxide und einige weitere anthropogene Schadstoffe durch mehr oder weniger aufwendige technische Maßnahmen zumindest teilweise ausfilterbar sind, wird das Verbrennungsprodukt CO ungehindert in die Atmosphäre entlassen. Dort kann es, wie aus der Diskussion in den Medien hinlänglich bekannt ist, über den Treibhauseffekt eine Klimaveränderung und damit eine massive Beeinflussung der Lebensverhältnisse auf der Erde bewirken.

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Kärner, Hermann: Energie, Umwelt, Klima. Göttingen 1997. Goltze.

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