Alexander der Große – Gott und Gottessohn. Die religiöse Rezeption von der Antike bis ins frühe Mittelalter

Lüschen, Tim-Eilert Rolf

Ausgehend von der widersprüchlichen Bewertung der Bedeutung der kultischen Verehrung Alexanders des Großen in der modernen Forschungsliteratur wird untersucht, wie die vermeintliche Göttlichkeit des Königs und seine angebliche Abkunft vom Gott Zeus-Ammon sowohl in der Kultpraxis als auch in der Literatur rezipiert worden sind, wobei sich der betrachtete Zeitraum von der Antike bis ins Frühmittelalter erstreckt. Es wird festgestellt, dass von der Epoche des Hellenismus bis in die Spätantike Alexanderkulte in der östlichen Hälfte des Mittelmeerraumes zu fassen sind. Dem gegenüber steht die Erkenntnis, dass in der literarischen Rezeption die Verehrung Alexanders als Gott und der Glaube an seine göttliche Zeugung nicht nur bei jüdischen und christlichen Autoren, sondern auch in den Schriften heidnischer Autoren auf breite Ablehnung gestoßen sind. Der Abgleich mit den nichtliterarischen Quellen über die kultische Verehrung des Königs zeigt jedoch, dass eine schmale panegyrische Traditionslinie, die die Göttlichkeit Alexanders bejaht, die antike Lebenswirklichkeit – zumindest diejenige der östlichen Hälfte des Mittelmeerraumes – eher widerspiegelt, als das Gros der literarischen Quellen zu diesem Thema, die diese ablehnt. So wurde der König an zahlreichen Orten in der Antike als Gott verehrt. Seine Kulte blieben jedoch in etwa auf den Raum beschränkt, in dem er zu Lebzeiten gewirkt hatte. Daher geht es zu weit, ihn als den bedeutendsten Rivalen Jesu Christi zu bezeichnen, wie es in der Forschungsliteratur geschehen ist. Von christlicher wie auch schon von jüdischer Seite wurde Alexander, der angebliche Gott und Gottessohn, nicht nur abgelehnt, sondern auch für die eigene Sache vereinnahmt. Diese Umdeutung des Königs fand über das syrische Christentum auch Eingang in den Koran.

Regarding the contradicting assessments of the cultic worship of Alexander the Great in modern academic literature this dissertation analyses the king’s supposed divinity and his divine pedigree as it is reflected in cultic practice and literature from Antiquity to the Early Middle Ages. Instances of the cultic worship of Alexander can be verified from the Hellenistic period to Late Antiquity in the eastern half of the Mediterranean area. These findings have to be contrasted with the fact that there is a pronounced rejection of the worship of Alexander and his divine pedigree in ancient literature - not only by Christian and Jewish but also by heathen authors. The non-literary sources for the cultic worship of the king indicate that a narrow panegyric tradition which approves of Alexander’s divinity reflects ancient reality - at least of the eastern half of the Mediterranean area - to a higher degree than the majority of ancient literature rejecting it: At numerous places, the king was worshiped as a god. But this practice was mostly limited to the area that he had visited in his lifetime. Therefore it is disproportionate to label him the most important religious contender to Christ. Jews and Christians not only rejected Alexander as a supposed god and son of a god but exploited him for their own agendas. This reinterpretation was also included in the Quran through the medium of Syrian Christianity.

Vorschau

Zitieren

Zitierform:

Lüschen, Tim-Eilert Rolf: Alexander der Große – Gott und Gottessohn. Die religiöse Rezeption von der Antike bis ins frühe Mittelalter. 2012.

Zugriffsstatistik

Gesamt:
Volltextzugriffe:
Metadatenansicht:
12 Monate:
Volltextzugriffe:
Metadatenansicht:

Details anzeigen

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export