Katastrophen – Wahn und Wirklichkeit

Peil, Udo

Gefahren und Katastrophen sind offenbar allgegenwärtig: Fabriken, Hochspannungsleitungen, Mobiltelefonsender, Gentechnik, Blitzschlag, zerborstene Öltanker, Atomkraftwerke, Holzschutzmittel, Ozonloch, Waldsterben, Tsunamis, Erdbeben, Stürme, Klimakatastrophe, Killerzwiback, Dioxin, DDT, SARS, Hühner- und Schweinegrippe, aber auch Hühnereier – sie könnten Salmonellen enthalten – werden deutlich als Risiken wahrgenommen. Doch wie die Risiken bewertet werden, ist ganz unterschiedlich und steht oft im krassen Gegensatz zum objektiven Größe des Risikos. Die Abwägung von Risiken hängt ab von der persönlichen Kenntnis der Gefahr und der Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, mit dieser Gefahr umzugehen. Eine der wesentlichen Ursachen für die starke Ablehnung der Kernenergie ist das Gefühl, etwas gänzlich Unbekanntem und Unbeeinflussbarem ausgeliefert zu sein. "Wir stören uns an der Mücke auf der Haut, während wir von einem Elefanten totgetrampelt werden", sagte Rolf Großklaus vom Fachgebiet Ernährungsepidemiologie des (inzwischen aufgelösten) Bundesgesundheitsamtes (BGA) in Berlin. "Es ist sehr schwer, der Bevölkerung ein Risikobewusstsein beizubringen." Vielen Experten machen deshalb nicht die Risiken in der Bundesrepublik, sondern die übertriebene Angst vor Risiken Sorgen. Vor einer falschen Gewichtung von Gesundheitsgefahren, einer "gefährlichen Hysterie", warnten Wissenschaftler auf einem Treffen des baden-württembergischen Hartmannbundes Ende August 1992 in Schwäbisch Gmünd. (Tagesspiegel Berlin, 31.08.1992) Die Umweltangst stellt nach Ansicht von Prof. Hans Hoffmeister, Leiter des Instituts für Sozialmedizin des Bundesgesundheitsamtes Berlin, inzwischen ein "eigenständiges Gesundheitsrisiko" dar. Bei einem rationalen Umgang mit dem Thema Umwelt und unter Verzicht auf unnötige Umweltängste wäre der Gesundheitszustand der Deutschen noch besser als ohnehin schon, sagte Hoffmeister in einem Vortrag. Für die Wissenschaft seien die Umweltängste der Bevölkerung "weitgehend irrational". Objektiv gehe es den Deutschen so gut wie nie. Aber wie groß sind die Gefahren denn nun objektiv? Dies wird deutlich an der Tabelle der sog. Sterbewahrscheinlichkeit, die in [Peil 2008] dargestellt und aus [Proske 2004] entnommen ist.

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Peil, Udo: Katastrophen – Wahn und Wirklichkeit.

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