Nachhaltige Praktika im Chemiestudium

Bahadir, M. GND

Die Chemie ist wie keine andere Disziplin ein experimentelles Fach, in dem die jungen Schüler und Studenten mit Hilfe von Experimenten an die Grundlagen geführt werden, wobei die Entwicklung von “handwerklichem” Geschick im Umgang mit chemischen Experimenten einen großen Raum einnimmt. Viele der heute in der Ausbildung an gymnasialen Kollegstufen und an Hochschulen exemplarisch eingesetzten Praktikumversuche sind jedoch historischen Ursprungs. Damals war die Wahrscheinlichkeit der Umweltkontamination noch weitgehend unbekannt und die Versuche auf solche Gefahren nicht untersucht. In jüngerer Zeit spielen Aspekte der Umwelt- und Arbeitssicherheit bei der Ausbildung eine überragende Rolle, worauf auch der Gesetzgeber durch den Erlass der Gefahrstoffverordnung sowie der TRGS 451 (Umgang mit Gefahrstoffen an Hochschulen) Einfluss nimmt. Es gibt in der chemisch-präparativen Ausbildung eine Reihe von traditionellen Synthesen und Nachweisverfahren, die unter heutigen Gesichtspunkten im Hinblick auf gesundheitliche und Umweltgefahren wesentlich kritischer zu sehen sind als in der Vergangenheit. Solche Reaktionen spielen in der chemischen Technik eine außerordentlich wichtige Rolle und werden im industriellen Maßstab durchgeführt. Diese Reaktionstypen sind z.B. unter der Bezeichnung Chlorchemie in der Öffentlichkeit recht umstritten; sie sind aber ohne erhebliche wirtschaftliche Einbußen kaum zu ersetzen. Daher werden solche Reaktionstypen auch an Schulen und Hochschulen und der Laborantenausbildung in der Industrie als Ausbildungsversuche eingesetzt. Bei der Synthese von halogenierten Aromaten in chemischen Laboratorien zu Ausbildungszwecken besteht im Prinzip die Möglichkeit zur Bildung von Dioxinen und Furanen sowie anderen Schadstoffen mit hohem toxikologischen Potential. Dieser Aspekt wurde in der Vergangenheit jedoch praktisch kaum beachtet, da die umgesetzten Stoffmengen im Vergleich zu technisch bedeutsamen Synthesen um Größenordnungen kleiner sind. Es stellt sich jedoch ungeachtet dessen die Frage, bei welchen Synthesen im Laborexperiment die genannten Schadstoffe entstehen und wie dieses Problem unter Gewährleistung der Arbeitssicherheit für die Auszubildenden in unterschiedlichen Ausbildungsstufen (Schüler, Laboranten, Studenten im Grundstudium der Chemie sowie Nebenfachstudenten in chemischen Praktika) gelöst werden kann. Darüber hinaus sind Aspekte der Nachhaltigkeit in dieser Stufe bisher kein Gegenstand der Ausbildung, da die Einsatzmengen der Edukte, Lösungs- und Betriebsmittel sowie die Entsorgung der Neben- und Abfallprodukte ein nur unbedeutendes Mengengerüst darstellen. Jedoch wären diese Gesichtspunkte in der Ausbildung zur Bewusstseinsentwicklung der angehenden Laboranten, Chemiker und Experimentatoren von erheblichem Interesse. Der Anlass zu detaillierten Untersuchungen, über die hier berichtet wird, war der Nachweis von halogenierten Dibenzo-p-dioxinen und Dibenzofuranen (PXDD/F mit X = Cl, Br) bei der häufig angewendeten Beilstein-Probe.

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Bahadir, M.: Nachhaltige Praktika im Chemiestudium. Braunschweig 2005. Cramer.

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