Transatlantische Netzwerke im Kaiserreich: Zur Rolle und Rezeption von Friedrich Paulsen (1846-1908) im deutsch-amerikanischen Kulturaustausch

Bartholome, Daniela

Der Pädagoge und Philosoph Friedrich Paulsen zählte um 1900 zu den bekanntesten Gelehrten in Deutschland. Als Bildungspolitiker und Berater des preußischen Ministerialbeamten Friedrich Althoff sowie als Professor an der Universität Berlin nahm er wichtige Funktionen in der deutschen Wissenschaftsadministration ein. Durch die Erschließung seines bisher unbekannten Nachlasses wird mit Hilfe der egozentrierten Netzwerkanalyse seine Korrespondenz mit US-Amerikanern als ein Beziehungsgeflecht dargestellt, das zur Plattform für einen Wissenstransfer wurde. Die Arbeit widmet sich daher einem Thema, das bisher in der deutschen Erziehungswissenschaft wenig erforscht wurde, nämlich dem transatlantischen Wissensaustausch. In der vorliegenden Arbeit wird nach einer Diskussion und Entwicklung des Instrumentariums der Historischen Netzwerkanalyse das konkrete transnationale Netzwerk von Paulsen anhand seiner Korrespondenz quantitativ und qualitativ rekonstruiert. Durch inhaltliche Analysen werden dann die Bedingungen für eine Paulsenrezeption in den USA über die Übersetzungen seiner Bestseller, den Studentenaustausch und die Weltausstellungen in Chicago und St. Louis betrachtet. Paulsens Rolle bei der Akademisierung der amerikanischen Erziehungswissenschaft, beim deutsch-amerikanischen Professorenaustausch sowie in der deutschen auswärtigen Kulturpolitik ist ebenfalls Gegenstand der Untersuchung. Die Ergebnisse der explorativen Studie zeigen, dass der Rezeptionsgrad von Paulsens Schriften und Ideen in den USA zwischen 1880 und 1908 von einer sich entfaltenden Netzwerkstruktur abhing und verschiedene Transferwege eine Rezeption ermöglichten. Besonders die schwachen Beziehungen ("weak ties") trugen im Netzwerk erheblich zur Wissensdiffusion bei und wurden zu wichtigen Multiplikatoren.

Around 1900, the educationalist and philosopher Friedrich Paulsen belonged to the most respected academics in Germany. Having been involved in education policy as a mentor of the departmental director in the Royal Prussian Ministry Friedrich Althoff also a professor at the University of Berlin, Paulsen took an important role in the administration of German education and science. By opening up the hitherto unknown estate of Paulsen using an egocentric network analysis, his correspondence with US-Americans will be displayed as a relational cosmos that became a platform for knowledge transfer. Therefore the work deals with a topic in the German educational science on which has been given relatively little research, namely the transatlantic exchange of knowledge. After a discussion and development of the historical network analysis as a research and visualization tool, the concrete transnational network of Paulsen is reconstructed quantitatively and qualitatively by means of his correspondence. Then an analysis of the contents helps to identify the conditions for a reception of Paulsen’s ideas in the United States, which occurred via the translations of his bestsellers, the student exchanges and the World Fairs in Chicago and St. Louis. Paulsen’s role in the academization of the American science of education, in the exchange of professors between Germany and America as well as in the German foreign cultural policy is also subject of the investigation. The results of this exploratory study indicate that the degree of the reception of Paulsen’s writings and ideas in the United States from 1880 to 1908 depended on a developing network structure and emphasize that various different channels were needed. Especially the "weak ties" in the network contributed significantly to the diffusion of knowledge and became important multipliers.

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Bartholome, Daniela: Transatlantische Netzwerke im Kaiserreich: Zur Rolle und Rezeption von Friedrich Paulsen (1846-1908) im deutsch-amerikanischen Kulturaustausch. 2012.

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