„… ist es das Studentenleben, weil´s von lauter Lust umgeben“? – Psychische Belastungen von Studierenden

Heine, Nora

Das Studentenleben wird oftmals als unbeschwerte Zeit beschrieben. Es steht sinnbildlich für eine Phase des Spaßes, der Feierlichkeiten und Freizeit. Weiterhin schwingt oft mit, dass Studierende kaum Verantwortlichkeiten hätten und nur bedingten Belastungen ausgesetzt seien. Aber kann dieses Bild aufrecht gehalten werden? Obwohl es in Deutschland knapp zwei Millionen Studierende an Universitäten und Fachhochschulen gibt, existiert erstaunlich wenig Forschung zur psychischen wie physischen Befindlichkeit Studierender in Deutschland. Die zunehmende Sensibilisierung der Gesellschaft für psychologische Themen, wie „Burnout“, De-pressionen oder Substanzmittelkonsum haben zu einer Veränderung der Sichtweise des psychischen Gesundheitszustandes verschiedener Gruppen geführt. So rückten auch die Studierenden, als eigene Subpopulation, in den Fokus der Forschung. An der vorliegenden Untersuchung zu psychischen Störungen und Alkoholkonsum unter Studierenden nahmen 2.348 Studierende (55,2% Männer, 44,8% Frauen) dreier deutscher Hochschulen teil (Technische Universität Braunschweig, Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig). Sie stellte eine Anschlussstudie an eine Untersuchung aus dem Jahr 2006/2007 (Hammerschmidt & Heine, 2008) dar, die auch als Vergleichsgrundlage dient. Die Studie erfolgte über eine Online-Befragung, in der anhand standardisierter Diagnoseinstrumente die psychische Belastung in den Bereichen Depressivität, Ängstlichkeit, körperliche Beschwerden sowie Alkoholkonsum erfragt wurden. Dabei zeigte sich, dass 30,3% aller Befragten unter mindestens einer stark ausgeprägten psychischen Belastung litten. Mit diesem Ergebnis hebt sich die Studie deutlich von anderen Untersuchungen ab, die geringere Prävalenzen ermittelten. In den Bereichen Ängstlichkeit (16%) sowie körperliche Beschwerden (27,8%) zeigten sich die Studierenden deutlich belasteter als die Allgemeinbevölkerung. Im Bereich der Depressivität waren insbesondere die Männer (6,9%) stärker betroffen, als in repräsentativen Stichproben der Gesamtbevölkerung (5,5%), Zur Überprü-fung der Güte des Online-Fragebogens wurde mit 72 Studierenden im Anschluss ein standardisiertes klinisches Interview durchgeführt, dessen Ergebnisse die Aussagekraft der Online-Untersuchung unterstützen. Gründe für die hohen Prävalenzraten werden diskutiert. Unter anderem könnten Umstrukturierungen der Hochschulstruktur als mitursächlich vermutet werden, die einen hohen Stresslevel bedingen. Weitere demographische Gegebenheiten (Partnerschaft, Elternschaft, finanzielle Situation) wurden untersucht. Einschränkungen des Untersuchungsdesigns sowie der verwendeten Instrumente werden am Schluss thematisiert. Schlussfolgernd zeigten sich hohe Prävalenzraten psychischer Belastungen unter Studierenden. Weitere Erforschung von Bedingungszusammenhängen sowie Auslösern erscheint notwendig. Des Weiteren sollten Hilfsangebote erweitert und der Zugang zu diesen erleichtert werden

The life of a student is often described as a carefree time. It is a symbol for a phase in life full of fun, parties and free time. In addition, it is often thought that students have little or no responsibility and are under only few pressures. But can this general idea of student life be maintained? Although there are about two million students at universities in Germany, astonishingly little research on the physical and mental health of students has been undertaken. The growing awareness in the society of psychological illnesses, for example ‘Burnout’, depression or drug abuse has led to a change in how the mental health of various groups is viewed. So students as a subgroup have also become the focus of research. 2,348 students (55.2% men, 44.8% women) at three German universities (Technical University of Braunschweig, the University of Arts in Braunschweig and the University of Applied Sciences Braun-schweig/Wolfenbüttel) were the object of research in the following study of mental health and alcohol consumption among students. The research is a follow up on the research done in 2006/2007 (Hammerschmidt and Heine), and which now serves as a comparison. The research was conducted through an online survey in which, using standard diagnostic instruments, the mental pressure in the areas of depression, anxiety, physical complaints as well as alcohol consumption were evaluated. The results showed that 30.3% of all participants suffered from noticeable mental pressure. This conclusion emphasizes the difference between this research and others which establish a much less prevalence. The students were shown to suffer significantly more pressure in the areas of anxiety (16%) as well as physical complaints (27.8%) than the general population. When depression was considered, men were shown to be more affected (6.9%) than was shown in a representative sample of the general population (5.5%). Finally, In order to access the value of the online survey, 72 students were interviewed using a standard clinical procedure. The results of this support the informative value of the research. Reasons for the high level of prevalence will be discussed. Among other things one could contribute this to the change in the structure of the university (Bologna agreement), which has led to a high stress level. In addition, demographic factors (partnerships, parenthood, financial situation) will be examined. Finally, the problems of the limitations of the experiment design as well as the instruments used will be tackled. Conclusively, a high level of prevalence among students was shown. Further research of the inter-relation of conditions as well as the triggers seems to be necessary. Additionally, more help should be offered and this should be easily accessible.

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Heine, Nora: „… ist es das Studentenleben, weil´s von lauter Lust umgeben“? – Psychische Belastungen von Studierenden. 2011.

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