Kormophytendiversität innerstädtischer Eisenbahnanlagen

Brandes, Dietmar GND

Wegen ihrer großen Zahl und ihres Artenreichtums sind Bahnhöfe sowie andere Betriebsflächen der Bahn als innerstädtische Makrohabitate für die Erhaltung der momentan vorhandenen Artenvielfalt kaum zu überschätzen. Innerhalb der letzten 15 Jahre wurden mindestens 1063 Gefäßpflanzensippen (davon mehr als 1000 Arten) auf innerstädtischem Eisenbahngelände allein in Deutschland nachgewiesen. Es werden daher die folgenden Hypothesen aufgestellt: 1. Bahnhöfe gehören zu den artenreichsten Habitaten in Mitteleuropa. Sie sind "Hotspots" des Artenreichtums quasi vor unserer Haustür. 2. Die Bahnhöfe und Bahnhofsbrachen spiegeln nicht nur ihr Alter und die Nutzung wider, sondern auch die Flora der Umgebung. Sie sind ein Modell für die Abhängigkeit der Ruderalvegetation von Technik und Kulturgeschichte. 3. Insgesamt wurden 309 neophytische Sippen auf den Bahnanlagen gefunden. Bezüglich der Ausbreitung von Neophyten muss die Rolle der Eisenbahn differenziert betrachtet werden: Während zahlreiche kurzlebige und zumeist auch konkurrenzschwache Arten mit der Eisenbahn ausgebreitet werden, gelangen die neophytischen Gehölzarten ebenso wie die meisten langlebigen Stauden von unmittelbar angrenzenden Gärten bzw. mit Gartenabfällen auf das Bahngelände. Hauptquelle der Neophyten sind heute umliegende Gärten und Anpflanzungen, nicht etwa der eisenbahnbedingte Transport. 4. Wegen der Änderungen im Transportwesen (Containerverkehr, weniger offene Transporte von landwirtschaftlichen Produkten), vor allem aber durch den Rückgang des schienengebundenen Güterverkehrs werden Bahnhöfe diese Refugialfunktion sicher nicht mehr lange behalten.

Owing to their great number and species richness, train stations and other areas used by railway are of great importance as urban habitats for the maintenance of phytodiversity. Within the last 15 years, at least 1063 vascular plant taxa (including more than 1000 species) have been documented in urban railway areas in Germany alone. The following hypotheses are thus postulated: 1. Railway stations are one of the species-richest habitats in central Europe. They are "hotspots" of diversity at our doorstep. 2. The flora of railway stations and abandoned rail yards reflects not only their age and use, but also the flora of the surroundings. 3. A total of 309 exotic taxa have been found in railway areas. However, the role of the railway in the spread of exotic plants has to be viewed critically: While numerous short-lived species, which are often weak competitors, are spread by the railway, neophytic trees as well as long living shrubs and perennial herbs invade from neighbouring gardens and/or spread from garden refuse onto railway areas. Today, the main source of neophytes is neighbouring gardens and plantations, not rail transport. 4. Railway stations will likely lose this refugial function due to changes in the transport sector (increased use of Containers, reduction in covered transport of agricultural products) and the general decline in the transport of goods by train.

Vorschau

Zitieren

Zitierform:

Brandes, Dietmar: Kormophytendiversität innerstädtischer Eisenbahnanlagen. Braunschweig . Institut für Botanik.

Rechte

Nutzung und Vervielfältigung:
Alle Rechte vorbehalten

Export