Quartiere und Profanbauten der Juden in Halberstadt

Lüdemann, Monika

In der Arbeit werden die Einflüsse des 700jährigen jüdischen Alltagslebens in Halberstadt auf die städtische Struktur und die Ausgestaltung der Profanbauten in drei chronologischen Abschnitten vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert dargestellt. Das Zentrum jüdischen Lebens verlagerte sich mehrfach innerhalb des Halberstädter Stadtgebietes: In voremanzipatorischer Zeit gab es nacheinander zwei jüdische Wohnviertel - das ältere lag zentral bei den städtischen Märkten; das jüngere entstand ab der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts im entlegenen Nordwesten. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts verteilte sich die jüdische Bevölkerung über das gesamte Stadtgebiet. Eine neue jüdische Siedlungskonzentration entstand im Süden Halberstadts, dem "guten" Wohnviertel. Das ehemalige jüdische Viertel im Nordwesten blieb der religiöse Mittelpunkt. Die Untersuchung der Wohnhäuser und Alltagsbauten belegt die Einflußnahme des religiös geprägten jüdischen Lebens auf die Gebäude. Äußerlich wiesen zwar zumeist nur Gemeindehäuser jüdische Symbole wie den Davidstern auf. Im Innern dagegen zeichneten umfangreiche bauliche Vorkehrungen zur Erfüllung religiöser Gebote und ritueller Anforderungen die Häuser gläubiger Juden aus. Darüber hinaus wird der große Anteil der jüdischen Bautätigkeit am Stadtbild Halberstadts deutlich: Juden prägten entscheidend den Ausbau des Handelszentrums, wo sie mit ihren Geschäftshäusern als Schrittmacher der architektonischen Entwicklung auftraten. Sie brachten die großstädtische Funktion "Warenhaus" und die aktuellsten Strömungen der Kaufhausarchitektur nach Halberstadt. Mit ihren Wohnhäusern trugen sie zur Ausgestaltung der südlichen Wohnviertel bei und leisteten damit einen wichtigen Beitrag zur bürgerlichen Baukultur Halberstadts.

The dissertation gives an overview of the impact of 700 hundred years of jewish everyday life on the urban structure and the design of profan buildings in Halberstadt. Subdivided into three sections it illustrates the developement chronologically from medieval times to 20th century. During this period the center of jewish life has shifted several times within the urban area of Halberstadt. Before 19th century there were two jewish residential quarters. The older one was situated downtown at the market area. The newer one has emerged in the northern area from approximately 1650 onwards. Since the beginning of the 19th century the jewish population has spread out over the entire urban area. A new habital concentration has emerged in the southern quarter of Halberstadt, the prestigious dwelling area. The former jewish quarter in the north west, however, remained the centre of religious life. The analysis of the profan buildings proves the influence of religious jewish everyday life on the buildings. Though Jewish symbols like the Shield of David (Davidstern) could only be seen at parish buildings by the public, extensive edificial dispositions for ritual purposes have to be noted indoors. In addition the analyis shows the considerable influence of jewish builders on the townscape. With their commercial buildings they served as pace makers for the architectural developement of the urban centre. Jewish merchants brought the department store to Halberstadt - at that point in time state-of-the-art only in metropolitan areas. With their dwelling houses Jewish builders have significantly contributed to the appearance of the residential quarters of Halberstadt as well.

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Lüdemann, Monika: Quartiere und Profanbauten der Juden in Halberstadt. 2003.

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