Britischer Humor im interkulturellen Kontext

Marhenke, Dietmar

Ausgehend von der Annahme, dass Humor in den Sprechakten von Briten eine maßgebliche Rolle spielt, ist die Untersuchung darauf ausgerichtet, seine wesentlichen Merkmale zu erfassen und die Genese der verbalen Komik im Englischen zu erklären, um Deutschen Kenntnisse an die Hand zu geben, mit denen sie humorbedingte Probleme in der interkulturellen Kommunikation meistern können. Da Inkongruenz das entscheidende Strukturprinzip der verbalen Komik ist, liegt der linguistischen Analyse von Auszügen aus sechs Werken der englischen Literatur ein Konzept zugrunde, das auf der Opposition semantischer Skripten beruht. Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Englische hinsichtlich der Gestaltungsmöglichkeiten verbaler Komik nicht grundsätzlich vom Deutschen unterscheidet. Die Einstellungen der Sprecher beider Sprachen weichen jedoch signifikant voneinander ab. Während Humor als integraler Bestandteil der Identität von Briten gilt und diese die positiven Eigenschaften verbaler Komik in der Kommunikation (Ausgleich, Distanz etc.) bewusst nutzen, machen Deutsche von ihnen viel seltener Gebrauch. Der Hang der Briten zum Humor kommt u.a. in ausgeprägtem Individualismus, Harmoniebedürfnis, der Bevorzugung des indirekten Gesprächsstils, Kompromissbereitschaft sowie der Neigung zum Paradoxen zum Ausdruck, das es im Spannungsfeld widersprüchlicher Begriffe erlaubt, Wertmaßstäbe flexibel zu handhaben. Um die interkulturelle Verständigung mit Briten zu verbessern, sollten Deutsche bereit sein, der verbalen Komik mehr Platz einzuräumen. Im Hinblick auf den Unterricht in Englisch als Fremdsprache ergibt sich die Empfehlung, den Lernzielen zur kommunikativen Kompetenz die Humorkompetenz hinzuzufügen.

On the assumption that humour plays a decisive role in the speech acts of Britons, it is the objective of the study to identify its essential characteristics and to explain the genesis of verbal humour in English in order to gain the necessary knowledge which may enable Germans to master problems caused by humour in intercultural communication. With incongruity being the crucial structural principle of verbal humour, the linguistic analysis of excerpts from six works of English literature is founded on a concept which takes the opposition of semantic scripts as a basis. The results show that there is no fundamental difference between the English and the German languages concerning the possibilities of creating verbal humour. The attitudes of the speakers of both languages, however, differ significantly. Whereas the sense of humour is considered an integral constituent of a Briton's identity and the positive features of verbal humour (compensation, detachment etc.) are deliberately used in communication by Britons, Germans do rather not profit frequently by its advantages. Among other things the Britons' leaning towards humour finds expression in distinct individualism, the striving for harmony, the preference for an indirect conversational style, the readiness to compromise as well as an inclination towards the paradoxical, which allows for flexibility in the assessment of values and standards by contrasting terms and ideas. To improve intercultural communication with Britons Germans ought to be ready to concede more space to verbal humour. With regard to the instruction of English as a foreign language the recommendation to add humour competence to the objectives of communicative competence is made.

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Marhenke, Dietmar: Britischer Humor im interkulturellen Kontext. 2003.

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