Jugendliche erleben sexuelle Orientierungen : Eine Internetbefragung zur sexuellen Identitätsentwicklung bei amerikanischen und deutschsprachigen Jugendlichen im Alter von 12 bis 16 Jahren

Watzlawik, Meike

Jugendliche werden sich ihrer sexuellen Orientierung während der Pubertät bewusst. Einige von ihnen sind durch ihnen bekannte Vorbilder und familiäre sowie schulische Aufklärung gut auf diese Entwicklungsaufgabe vorbereitet, andere sehen sich hingegen damit konfrontiert, dass sie auf einmal „anders“ sind. Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass die gesellschaftlichen Veränderungen, die vermuten lassen, dass alternative Lebensentwürfe heutzutage weniger diskriminiert werden, noch keinen Effekt auf das anfängliche Selbsterleben homo- und bisexuell orientierter Jugendlicher haben. 809 deutschsprachige Jugendliche, homo-, bi- und heterosexuell orientiert, (Durchschnittsalter 15,3 Jahre) und 474 homo- und bisexuelle Jugendlichen aus den USA (Durchschnittsalter 14,8) nahmen an einer Internetbefragung zur sexuellen Identitätsentwicklung teil. Anhand der hauptsächlich offen formulierten Antworten, die mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet wurden, konnte die Entwicklungsaufgabe, sich seiner sexuellen Orientierung bewusst zu werden, aus Sicht der Jugendlichen beschrieben werden. Während sich heterosexuelle Jugendliche hauptsächlich mit ihrer ersten Liebe oder Wünschen nach Zärtlichkeiten auseinandersetzen müssen, stehen bei homo- und bisexuell orientierten Jugendlichen Zweifel und Unsicherheiten im Vordergrund. Die Ergebnisse zeigen, dass eine frühe Aufklärung über die Variationen der sexuellen Orientierung notwendig ist, um gleichberechtigte Entwicklungsbedingungen zu schaffen.

Adolescents become aware of their sexual orientation during puberty. Some adolescents are well prepared. Role models are available, they have people to talk to, and some aspects are even taught in school. Most of the homo- and bisexually oriented teens are not as well prepared. Their feelings do not fit the norm, which affects the experience of their sexual orientation in a very negative way. The conducted study shows that cultural changes towards a less discriminating society in which alternative life styles are more and more acceptable do not, yet, affect how adolescents view their own sexual orientation once it becomes conscious. The German sample consisted of 809 homo-, bi-, and heterosexually oriented adolescents (average age 15.3 years), the American of 474 adolescents, homo- and bisexually oriented (average age 14.8). In an internet survey the adolescents answered mainly open questions that helped to describe the developmental task of dealing with feelings towards the same or/and other sex. Qualitative content analysis allowed to reconstruct essential processes leading to sexual orientation from the adolescents' point of view. The main concerns for heterosexual teens are their first love(s) and the longing for physical closeness, whereas homo- and bisexual teens significantly more often have to deal with doubts and worries. Results show that early educational advertising is needed to provide comparable developmental circumstances for young adolescents who do not (only) feel sexually attracted to the other sex. A critical discussion and the comparison of the two cultures leads to preventive steps that can help provide a more open-minded environment - for everyone.

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Watzlawik, Meike: Jugendliche erleben sexuelle Orientierungen : Eine Internetbefragung zur sexuellen Identitätsentwicklung bei amerikanischen und deutschsprachigen Jugendlichen im Alter von 12 bis 16 Jahren. 2003.

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